|

TECHNISCHE HERAUSFORDERUNGEN
Die sich zufällig im gleichen Haus wie Hugos Horst befindende in-visible,
spezialisiert auf Filmproduktionen, Bildtechnologien und auch Videostreaming,
war freundlicherweise bereit, technische Hilfe zu leisten.
Sony erklärte sich
bereit, eine hochauflösende Kamera für die Dauer des Projektes zur Verfügung
zu stellen.
Die technischen Vorbereitungen mussten so schnell wie möglich fertig
gestellt werden, da die Revierbesetzungsphase (Anfang März) nicht
auf sich warten ließ.
Wissenschaftliche Beratung, wie wir die Turmfalken am wenigsten bei der
Installation der Kamera stören würden, leistete Herr Lorgé
der Centrale Ornithologique
LNVL.
Bei der gemeinsamen Erkundung des Nistplatzes wurden mehrere Probleme
aufgeworfen:

Der Nistplatz befindet sich in einer Fensternische eines alten Hausgiebels
in 8 m Höhe. Eine sich nicht zu öffnende Glasscheibe trennt
den Nistplatz vom inneren Wohnraum ab, dort wo die Kamera aufgestellt
werden sollte. Die
Glasscheibe war von aussen mit dem Kot der Jungvögel in den vorigen
Jahren stark verschmutzt worden, so dass die Sicht der Kamera beeinträchtigt
war. Mit Hilfe eines Einsatzes der freiwilligen Feuerwehr aus Mamer wurde
das Fenster von aussen gereinigt und ein passender Maschendraht einige
Zentimeter vor das Fenster eingesetzt. So soll verhindert werden, dass
die Turmfalkenfamilie das Fenster erneut beschmutzt.
Ein weiteres Problem
bestand darin, dass die Turmfalken im Gegenlicht gefilmt werden mussten
und so die Kontraste nicht optimal waren.

Die Kamera gibt analoge Video Signale ab, die in zwei dedizierten Computern
und deren Canopus DV Raptor Videokarten digitalisiert werden. Ein PC hängt
direkt am Internet, fungiert also wie ein Internet Server und streamt
die Bilder ins Web. Der Zweite hängt am firmeninternen Netz und registriert
alle Bewegungen. Diese Bilder werden automatisch mit Datum und Uhrzeit
versehen und stehen dann zur späteren Auswertung bereit, zum Beispiel
für Filmsequenzen, Bilder,
oder statistische Auswertungen. Gleichzeitig wird jede fünfte Sekunde
ein Bild per FTP auf die Webseite hochgeladen und erlaubt so jedem [auch
denen, die kein Streaming sehen können] alle fünf Sekunden ein
neues Bild der Webcam zu erhalten.
Beim Streaming
gibt es zwei Möglichkeiten:
1. 'Multicast' wäre hier die beste Lösung gewesen. Der Stream wird
dabei nur einmal vom ersten Webserver abgeschickt und jeder neue Besucher
kann sich in diesen Datenfluss einloggen. Da dieses Protokoll aber noch
nicht von den Routern der Provider unterstützt wird, würde das Signal
nicht ankommen.
2. Um sicher zu gehen, bleibt also nur noch 'Unicast': hierbei
bekommt jeder Webbesucher seinen eigenen Stream zur Verfügung gestellt.
Das Problem bleibt die Bandbreite, in diesem Fall doch eine großzügige
2-Megabit Leitung. Die
Anzahl der gleichzeitigen Besucher bleibt begrenzt, abhängig davon,
wie stark der Videofilm komprimiert wird. Ursprünglich sollte die
verwendete Technologie Windows Media9 sein, doch um Kompatibilitätsproblemen
mit Macintoshs und älteren PCs wenigstens teilweise aus dem Weg zu
gehen, wurde das Encoding auf Windows Media 8, einen verbreiteten
Standard, zurückgeschraubt . Eine Webseite wurde aufgebaut, die dem
Internetbenutzer den Zugriff in drei verschiedenen Bildqualitäten
anbietet:
- 250 kbps +/- 25 B/s 320x240 pixels
- 107 kbps +/- 25 B/s 240x176 pixels
- 50 kbps +/- 12 Bi/s 192x144 pixels
Der Stream ist
also ein multipler Stream und erlaubt es jedem Besucher das bestmögliche
Bild zu seiner Internet Verbindung (analoge, ISDN oder ADSL Leitung) zu
erhalten.
Zusätzlich zur gestreamten Kamera wird das Signal der zweiten Kamera durch
eine spezielle Software aus dem Überwachungsbereich mit Motion-detection
analysiert und zeichnet dadurch nur die Momente mit Bewegung im Bild mit
einem Time Stamp auf.
Jedes Anfliegen und Verlassen des Nestes, jedes neu gelegte Ei, jede gebrachte
Maus können im Nachhinein zeitlich und statistisch ausgewertet werden.
|