DER TURMFALKE Der
Turmfalke ist unsere häufigste Falkenart und nach dem Mäusebussard der zweithäufigste
Greifvogel überhaupt. Wie letzterer liebt er die offene, reich strukturierte
Landschaft, in der Aecker, Wiesen und Weiden mit kleinen Wäldern, Feld-
und Ufer- gehölzen, Hecken, Baumreihen usw. abwechseln. Grössere, geschlossene
Wälder meidet er, er sucht hingegen bereitwillig die Nähe des Menschen auf.
Dabei dringt er sogar bis mitten in die Städte und Dörfer vor, wo er als
ehemaliger Felsenbrüter in Nischen, unter Gesimsen, hinter Abflussröhren
usw. hoher bis mittelhoher Gebäude ideale nistökologische Bedingungen vorfindet.
Altes, nischenreiches Gemäuer (z.B. Ruinen, Kirchtürme usw.) sagt ihm dabei
besonders zu. Auch die Hüttenwerke im Süden des Landes mit ihren hohen Gebäuden
und Stahlkonstruktionen werden geme besiedelt. Neben Gebäudebruten sind aber auch solche in alten Krähen- und Elstemnestern häufig festzustellen. Dabei belegt er neben Nestem auf Bäumen auch solche, die in Gittermasten (z.B. Hochspannungsleitungen) stehen. Die höchste bisher festgestellte Brut erfolgte auf einem Sendemast in 80 m Höhe. Natürlich brütet er auch noch in Felswänden, seien es natürliche oder von Menschenhand geschaffene (Steinbrüche, Erzgruben usw.). Auch Nistkästen an Gebäuden sowie künstliche Horste auf Bäumen nimmt er geme an. Seine 3 bis 9 Eier werden ohne Unterlage am jeweiligen Nistplatz abgelegt. Es findet nur eine Jahresbrut statt. Wohl
jeder hat dem Turmfalken schon bei seinem typischen Rüttelflug über Weiden
und Wiesen bewundemd zugeschaut. Er ist in der Tat ein ausgesprochener Mäusejäger
und hängt als solcher siedlungsdichtemässig vom jeweiligen Mäuseangebot
(vor allem Feldmaus) ab. Während er in guten Mäusejahren eine relativ hohe
Dichte erreichen kann, fehlt er in feldmausarmen Jahren gebietsweise fast
gänzlich. So gab es bspw. von Anfang bis Mitte der 80er Jahre ein auffallendes
Tief auf dem Oslinger Hochplateau (N. Paler). Seine höchste Dichte erreicht
er im Süden des Landes (4,7 big 10,8 Paare/10 km2).Auch kolonieweises Brüten kommt vor. So können Burgruinen, Eisenerzgruben und Steinbrüche oft mehrere Paare auf engem Raum beherbergen. Der Turmfalke ist bei uns Stand-, Strich- und Zugvogel. Er kann sowohl hier überwintern (1 Ringfund) als auch in Frankreich (4 x 300 km; 1 x jedoch 857 km SSW). Ein am 4.6.(1983) beringter Jungvogel war schon am 4.8.(1983) in Irland (1105 km WNM), was auf Zwischenzug hindeutet. In der harten Jahreszeit bekommen wir Zuzug aus nördlichen und östlichen Gebieten. Wintergäste respektiv Durchzügler aus den Niederlanden, Dänemark, der Bundesrepublik und Finnland (max. 1681 km SW) wurden bei uns angetroffen, die niederländischen Vögel schon am 5.9.(1978) und noch am 7.3.(1962). Bei geschlossener Schneedecke kommen die Turmfalken nicht mehr an ihre Lieblingsnahrung (Feldmäuse) heran und müssen auf andere Beutetiere (hauptsächlich Singvögel) zurückgreifen. So können sie auch mal Futterplätze heimsuchen. Manche erleiden auch den Hungertod. Jedes Frühjahr muss der Turmfalke auch dem verwerflichen Beschiessen der Krähenhorste und den Aushorstungen durch Jugendliche Tribut zahlen. Ausserdem wird er öfters das Opfer des Strassenverkehrs. Auszug aus : Atlas der Brutvögel Luxemburgs. Mit freundlicher Erlaubnis des "LNVL" D'Kréchel Der luxemburgische Name des Turmfalken lautet Kréchel. Sein wissenschaftlicher Name ist Falco tinnunculus und auf französisch wird er Faucon crécerelle genannt. Der
Turmfalke ist ein Greifvogel und etwas kleiner und schlanker als eine Krähe.
Das Männchen ist an seinem grauen Kopf, der fuchsrot gefärbten Oberseite
mit dunkleren Punkten und an den grauen Schwanzfedern mit einer dunklen
Endbinde vom eher einfarbig braun gefärbten Weibchen (mit stark quergebänderter
Oberseite) zu unterscheiden. Männchen und Weibchen rufen beide "kikikikikii"
und sind an ihrem Ruf leicht zu erkennen.Der Lebensraum des Turmfalken ist sehr vielseitig. Er kommt in Städten genauso vor wie in der offenen Kulturlandschaft. Er ist sehr anpassungsfähig. Nur große, geschlossene Waldgebiete mag er nicht. Der Turmfalke ist einer der häufigsten Greifvögel Luxemburgs. Bei uns brüten etwa 600 Paare. Oft kann man ihn am auf einer Straßenlaterne sitzend beobachten. Dort lauert er auf Mäuse die er am Straßenrand oder gar auf der Straße leicht erbeuten kann (Ansitzjagd). Mäuse bilden den Hauptteil seiner Beute. Eine weitere Jagdtaktik (Luftjagd) ist der sogenannte Rüttelflug. Bei diesem Standflug stehen die Turmfalken wie ein Helikopter in der Luft und schlagen sehr schnell mit den Flügeln. Dabei suchen sie die Fläche unter sich nach Mäusen ab. Wenn sie eine Maus entdeckt haben, lassen sie sich im Sturzflug auf ihre Beute fallen und erbeuten sie mit ihren dolchartigen Krallen. Wie alle Falken baut auch der Turmfalke kein eigenes Nest. Zum Brüten sucht er sich eine Nische in einer Mauer oder in einem Felsen aus. Diese müssen allerdings in luftiger Höhe sein, da sie sonst für Feinde zu leicht zu erreichen sind. Manchmal brüten die Turmfalken auch in ausgedienten Krähen- oder Elsternestern in Bäumen. Der Turmflake ist ein Kulturfolger, d.h. er scheut die Nähe des Menschen nicht, im Gegenteil, oft brütet er in seiner unmittelbaren Nähe. Turmfalken
brüten nur einmal im Jahr. Die Eiablage erfolgt meist im April. Das Weibchen
bebrütet die 3 bis 7 Eier allein während 21 bis 27 Tagen aus. Das Männchen
versorgt das Weibchen mit Nahrung und überwacht die Umgebung des Brutplatzes.
Nesträuber wie Katzen oder Krähen vertreibt er. Nachdem die Jungvögel geschlüpft
sind, beteiligt sich auch das Männchen an der Fütterung der Jungen. Diese
sind nach dem Schlüpfen noch etwa 30 Tage lang im Nest und werden nach dem
Ausfliegen noch von den Eltern versorgt. Etwa die Hälfte der jungen Turmfalken
überlebt das erste Lebensjahr nicht. Die meisten werden Opfer des Straßenverkehrs,
einige erleiden einen tödlichen Stromschlag durch Anflug von Stromleitungen
und viele sterben durch mangelnde Nahrung in schneereichen Wintern.Besonders in mäusereichen Jahren können die Altvögel viele Jungvögel goß ziehen, die dann auch gute Überlebenschanchen haben. In anderen Jahren, wenn die Mäuspopulationen klein sind, haben auch die Turmfalken weniger Jungvögel. Trotzdem ist der Turmfalke nicht direkt gefährdet. Man kann ihm gut helfen durch das Anbgringen von Nistkästen an geeigneten Stellen. Patrick Lorgé |